Wo soll ich bloß anfangen?

Funktionieren und Beschwichtigen

In angstauslösenden Situationen haben wir verschiedene Reaktionsmöglichkeiten. Wir versuchen aus der Situation heraus zu kommen, sie zu entschärfen oder für uns erträglich zu machen.

Auf der physischen und relativ bewussten Ebene sind das:

angreifen
flüchten
erstarren
funktionieren
beschwichtigen

Die ersten drei Punkte sind sicherlich klar.

Beim Funktionieren versuche ich, an mich gestellte Erwartungen und bestehende Regeln ganz genau einzuhalten, um meinem Gegenüber keine Angriffsfläche mehr zu bieten und so die Situation zu beruhigen.

Das Beschwichtigen erfolgt über klare Zeichen der Unterordnung, des sich Zurücknehmens (Gefühle, Meinung, Forderungen…), bis hin zum Devoten.

Bin ich schon älter oder sogar erwachsen, spreche ich vielleicht mit Kindchenstimme und meine Körperhaltung und mein Blick signalisieren, dass ich keine Gefahr für den anderen bin.

Den anderen verteidigen

Auf der psychischen und eher unbewussten Ebene sind das:

Verteidigen der angstauslösenden Person.
„Das hat er ja nur gemacht, weil er selber Stress hat.“
„Er hat das nicht so gemeint.“
„Ich kann ihn ja auch verstehen.“

Sich selbst die Schuld geben.
„Ich hätte das ja auch nicht tun sollen.“
„Ich habe ihn gereizt… dazu getrieben… ihn provoziert.“

So denke ich besonders häufig, wenn zu der Angst vor der Person auch noch die Angst vor der Trennung oder dem Alleinsein kommt.

Je nachdem, welche dieser Möglichkeiten sich in meiner Kindheit als effektiv erwiesen hat, werde ich sie auch als Erwachsener noch genauso anwenden.

Mein Wohlbefinden sollte immer in meinem Fokus stehen

Was auf der Strecke bleibt, ist mein Verständnis und mein Mitgefühl für mich selbst. Die Befindlichkeiten des Menschen, der mir Angst macht, stehen mehr in meinem Fokus, als meine eigenen.

Das Verstehen, warum jemand in einer gewissen Art und Weise gehandelt hat, ist ein wichtiger Punkt, der es mir erleichtert mit diesem Menschen oder seinem Verhalten irgendwann einmal abzuschließen. Es sollte aber nicht als Ausrede für mich dienen, in dieser mich blockierenden Situation zu verharren.

Angst blockiert uns

Wo Angst ist, ist keine Liebe. Wo Angst ist, da ist keine freie Entwicklung und kein Wachstum. Mit Angst kann keine Kreativität fließen, das Lernen fällt mir schwer, es gibt keine echte Freude und keine Entspannung. Ich lebe meine Persönlichkeit nicht, zeige nicht, was ich kann und mich zu öffnen fällt mir schwer. Mein Fokus liegt auf den Anforderungen, die andere an mich stellen. Ich versuche ihnen gerecht zu werden, statt auf mich und meine Wünsche und Bedürfnisse zu achten, deren Erfüllung mir Freude und Energie schenken würden.

Damit sind Burnout und Depression Tür und Tor geöffnet

Deshalb ist es zentral wichtig, dass ich an meinen Ängsten arbeite und Lernerfahrungen, die ich als Kind gemacht habe (und die für mich als Kind oftmals richtig waren) heute als Erwachsener korrigiere.

Ich bin jetzt erwachsen, nicht mehr ohnmächtig und deshalb auch kein Opfer mehr.

Den Weg in ein glückliches Leben verstellen mir nicht die anderen oder das Leben, sondern einzig und allein meine Ängste.

Deshalb sollte ich mich auf den Weg machen…